Neuer Vorstand beim VfB für Alle

Bei der letzten Jahreshauptversammlung von VfB für Alle e.V. wurde von den Mitgliedern ein neuer Vorstand gewählt. Linus Horke wurde in seinem Amt als Vorstand bestätigt. Unterstützt wird er zukünftig von Irina Piepkorn, welche die Nachfolge von Jan Krieger antreten wird. Dieser ist zukünftig als Schatzmeister des Vereins tätig und übernimmt die Nachfolge von Jan Eric Reuter, der weiterhin ein aktives Mitglied im VfA bleiben wird.

„Seit der Gründung unseres Vereins haben wir viele interessante Projekte im Umfeld des VfB Oldenburg realisieren können wie zum Beispiel das „VfB and friends“ Turnier, Maßnahmen gegen Rechtsextremismus, die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz oder auch die Ausstellung über die NS Zeit beim VfB. In dieser Zeit konnten wir uns mit zahlreichen Menschen und Initiativen in Oldenburg vernetzen und einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass der VfB Oldenburg und seine Fans positiv von der Oldenburger Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Gewürdigt wurde das Engagement durch den Gewinn des Julius Hirsch Preises 2015 vom DFB. Eine Neubesetzung des Vorstandes soll dem Verein frischen Wind und andere Perspektiven für zukünftige, innovative Projekte verleihen“ sagt Krieger.

Nachfolgerin Irina Piepkorn ist keine Unbekannte. Seit vielen Jahren geht sie zum VfB und engagiert sich für den Verein und in der Fanszene. „Mir ist es wichtig, mich im VfB Umfeld auch gesellschaftspolitisch zu engagieren, da das Stadion kein luftleerer Raum ist und gerade auch das Fußballumfeld durch den Schmelztiegel verschiedener Menschen empfänglich ist für diskriminierendes Verhalten. Vor allem in der jetzigen Zeit ist es wichtig sich zu engagieren und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Deshalb nehme ich die Herausforderung, im Vorstand tätig zu werden, dankend an.“ so Piepkorn.

„Aufgrund der Pandemie ist es schwierig Projekte zu planen. Zur Zeit koordinieren wir die Einkaufshilfen für bedürftige Menschen. Zudem müssen gemeinsam mit der Oldenburger Fan Initiative neue Räumlichkeiten gefunden werden. Das hat auch erst mal Priorität. Inwieweit es im nächsten Jahr wieder ein „VfB and friends“ Turnier geben wird, können wir derzeit leider noch nicht absehen. Das „Gegengerade“ Festival, welches wir gemeinsam mit Werkstattfilm durchführen, soll aber auf jeden Fall nachgeholt werden.“ berichtet Linus Horke.

Gegengerade

Jan Krieger, Irina Piepkorn und Linus Horke (hier zusammen mit Farschid Ali Zahedi von Werkstattfilm e.V.)

 

 

Nachgefragt: Raimund Kropp

Selfie-RaimundBis Anfang diesen Jahres war Raimund Kropp ehrenamtlich als Fanbeauftragter des VfB Oldenburg tätig. Nach anfänglicher Skepsis gelang es ihm zunehmend, Vertrauen zu uns VfB Fans aufzubauen. Neben der Beteiligung am Runden Tisch initiierte er monatliche Fan-Vereinstreffen, bei dem es regelmäßig einen Austausch gab und verschiedene gemeinsame Ideen und Projekte entstanden. Zudem begleitete er uns zur Preisverleihung des Julius Hirsch Preises in Leipzig und nahm an unserer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz teil. Welche Erinnerungen verbindet Raimund mit dem VfB und seinen Fans? Wie hat sich die Coronakrise auf seinen Alltag ausgewirkt und was verbindet ihn weiterhin mit dem VfB? Diese und andere Fragen hat er für uns beantwortet. Weiterlesen

Nachgefragt: CD01

LogoMoin! Schön, dass ihr euch die Zeit nehmt, um uns in der fußballfreien Zeit ein paar Fragen zu beantworten. Wie gestaltet sich euer Gruppenleben in Zeiten der Kontakteinschränkungen?

Moin! Vorweg: Coole Interviewreihe, die ihr da gestartet habt und danke, dass ihr uns auch mit ins Boot holt. Tja, unter den Ausgangsbeschränkungen leidet natürlich auch unser Gruppenleben. Die Treffen bei den Spielen und im FP fallen ja leider weg. Das meiste läuft zurzeit über diverse Gruppenkanäle, über die wir versuchen zumindest noch im Rahmen unserer begrenzten Möglichkeiten ein paar Sachen rund um und für den VfB zu starten. Weiterlesen

CSD 2020: Redebeitrag VfB für Alle

Moin!

Wir, der VfB für Alle e.V. sind seit unser Gründung 2012 aktiv am CSD beteiligt, aber auch schon vorher gab es verschiedene Fans des VfB Oldenburg, die Präsenz auf den Demonstrationen gezeigt haben. Wer uns noch nicht kennt: wir sind ein gemeinnütziger Verein, der aus der Oldenburger Fanszene entstanden ist, mit dem Ziel Diskriminierungen und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit besonders im Kontext des Fußballs zu bekämpfen.Warum das wichtig ist, sollte allen klar sein. Aber warum dies im Sport und besonders im Fußball eine große Herausforderung ist, möchte ich kurz darlegen.

Sport – insbesondere der Leistungssport- ist klar in die Geschlechter männlich und weiblich eingeteilt und bietet damit auch kein Platz für Menschen, die sich nicht in diesen Kategorien verordnen. Hier sei an den Fall von Caster Semanya erinnert, die mit einem erhöhten Testosteron-Wert, zahlreiche Frauen-Wettbewerbe gewann, was dazu führte, dass der Leichtathletikweltverband eine Testosteron-Obergrenze für diese Wettbewerbe einführte, die auch noch vom Internationalen Sportgerichtshof als legitim bewertet wurde. Die Zweigeschlechtlichkeit des Sports ignoriert die Geschlechtervielfalt und befördert somit indirekt antipluralistische Einstellungen.

Im Fußball sind Homo-und Transfeindlichkeit von der Kreisklasse bis in die Bundesliga präsent. Historisch bedingt ist der Fußball ein männlich konnotierter Sport, dem stereotype männliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Heteronormativität und der raue Umgangston, die eigene kulturelle Logik des Fußballs befördern Homonegativität. Neben den offenkundigen Beleidigungen, diffamierenden Gesängen und Spruchbändern wirkt besonders im Leistungsfußball die Tabuisierung von Homosexualität. Es gibt keinen aktiven geouteten Spieler auf professionellem Niveau in den europäischen Spitzenligen, welches die Leugnung von Homosexualität im männlichen Profifußball immer noch ermöglicht. Es ist also im Fußball immer noch konfliktbehaftet und problematisch, seine Sexualität zu offenbaren, obwohl es schon in so vielen Teilen der Gesellschaft Fortschritte gegeben hat. Erst vor kurzem hat Nationalspieler Toni Kroos festgestellt: „Ich weiß nicht, ob ich es jemanden raten würde, sich als aktiver zu outen“ . Diese Situation hat auf der obersten Ebene der sich als männlich verstehenden Funktionärswelt des Fußballs eher eine untergeordnete Rolle. Die Priorität liegt natürlich klar auf dem Faktor Geld. Siehe die Fortführung der Bundesliga in Corona-Zeiten. Deshalb werden auch Europameisterschaftsspiele in Ascherbaidschan ausgetragen, wo Homosexuelle sich immer noch nicht offen ausleben können, werden Weltmeisterschaften nach Russland vergeben, trotz klar diskriminierender Gesetzesregelungen im Land.

Zwar hat der Deutsche Fußball Bund eine Broschüre zum Thema Homofeindlichkeit veröffentlicht. Er sieht es aber immer noch nicht als notwendig an, in seiner Ausbildung für Jugendtrainer Inhalte zu geschlechtersensibler Pädagogik oder Heteronormativität zu verankern.

Doch es gibt auch positive Entwicklungen, Vereine, die ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und Werte weitergeben, Fangruppierungen, die erfolgreiche Antidiskriminierungsarbeit in den Kurven machen und viele Leute zum Umdenken bewegen. Dies ist nicht selbstverständlich, denn es gibt in den Kurven und auch in Oldenburg Widerstände z.B. gegen Regenbogenfahnen im Block. Aber auch das wird sich hoffentlich irgendwann ändern, wenn wir noch mehr zusammenarbeiten. Gerne arbeiten wir mit anderen zivilgesellschaftlichen Initiativen zusammen. Lasst uns kooperieren und unser Wissen vermehren, um gemeinsam mehr Menschen erreichen zu können. Fußballfans gegen Homo- und Transfeindlichkeit. Für Geschlechtervielfalt. Auch im Fußball. VfB für Alle!

Video von der Kundgebung:

https://de-de.facebook.com/vfaev/videos/735457923856992/